Was hat die Spieltheorie mit dem „Als ob“ der Freimaurerei zu tun?
Freimaurerei arbeitet mit Symbolen, Ritualen und Rollen – und das bewusst. Man tut so, als ob bestimmte Dinge real wären: als ob der Tempel gebaut würde, als ob ein uraltes Geheimnis weitergegeben würde, als ob jeder Stein ein Teil eines größeren Ganzen wäre. Dieses „Als ob“ ist kein Selbstbetrug, sondern ein gedankliches Experiment. Es schafft einen Raum, in dem wir frei von alltäglichen Zwängen denken, fühlen und handeln können. Die Loge wird zur Bühne, auf der wir spielerisch erproben, was wir im Leben ernsthaft verwirklichen wollen. Hier berührt sich die Freimaurerei mit der Spieltheorie – genauer gesagt mit der Erkenntnis, dass Menschen in jeder Form von Kooperation auf vereinbarten Regeln, Erwartungen und Sinnbildern handeln. Sie spielen ein Spiel, das nur funktioniert, wenn alle mitspielen.
Warum ist das „Als ob“ so wichtig?
Weil es ermöglicht, in Symbolen zu denken, ohne sie zu verabsolutieren. Freimaurer wissen, dass der Hammer nicht wirklich heiligt, der Zirkel keine göttliche Kraft hat und das Licht keine esoterische Energie ist – und trotzdem wirken diese Bilder. Sie helfen, Gedanken zu ordnen, Werte zu verankern und Gemeinschaft zu gestalten. Das „Als ob“ macht die Freimaurerei zu einer praktischen Philosophie: Sie nimmt das Spiel ernst, ohne es mit der Realität zu verwechseln. Gerade dadurch entsteht Tiefe.
Was lernen Freie Maurer daraus?
Das freimaurerische „Spiel“ lehrt, Wirklichkeit aktiv zu gestalten. Wer in der Loge lernt, so zu handeln, als ob Menschen immer vernünftig, tolerant und brüderlich wären, verändert sich selbst – und oft auch seine Umgebung. Die Kraft liegt nicht im Glauben an absolute Wahrheiten, sondern im gemeinsamen Handeln auf der Basis geteilter Ideen. So wird das „Als ob“ zum Motor für Entwicklung: ein Spiel mit Sinn.