Freimaurerei weiterdenken

Das „Projekt Freie Maurer“ will zur Erneuerung der humanistischen Freimaurerei beitragen. Wir gehen dazu bewusst zwei Wege: Wir wollen Reformen innerhalb bestehender Logen anregen und unterstützen und zugleich erproben, wie eine weitergehende moderne Freimaurerei aussehen könnte.

Seit Anfang 2026 gibt es das Projekt „Freie Maurer“. Ausgangspunkt war das gleichnamige Buch, das im November 2025 erschienen ist. Einige der darin formulierten Forderungen gehen weit. Doch das Projekt versteht sich nicht als Gegenentwurf zu allem Bestehenden. Im Gegenteil: Von Anfang an war uns wichtig, auch anerkannten und nicht anerkannten Logen Gedanken, Anregungen und praktische Ansätze für ihre eigene Weiterentwicklung anzubieten.

Freimaurerei muss sich immer wieder selbst befragen, wenn sie bei aller Wertschätzung ihrer Traditionen lebendig und gesellschaftlich anschlussfähig bleiben will. Gleichzeitig wissen wir, wie schwierig Reformen in gewachsenen Systemen sein können. Veränderungen erfolgen häufig in kleinen Schritten. Manche sind innerhalb bestehender Strukturen ohne Weiteres möglich, andere stoßen auf organisatorische Grenzen, Traditionen oder das besondere Anerkennungssystem der regulären Freimaurerei.

Hinzu kommen sehr unterschiedliche Erwartungen. Manche möchten möglichst wenig verändern. Andere halten behutsame Anpassungen für notwendig. Wieder andere wünschen sich tiefgreifende Reformen und möchten eine deutlich modernisierte Freimaurerei noch selbst erleben.

Diese Unterschiede müssen kein Hindernis sein. Freimaurerei ist vielfältig. Maskuline Logen, Frauenlogen, gemischte Logen, unterschiedliche Obödienzen und freimaurerische Systeme setzen verschiedene Schwerpunkte. Dennoch begegnen ihnen die gleichen Fragen: Wie wird Freimaurerei wahrgenommen? Warum kennen immer weniger Menschen ihre Inhalte? Wie finden Logen passende neue Mitglieder? Wie funktionieren Gemeinschaft und Streitkultur? Welche Strukturen haben sich bewährt, welche behindern Entwicklung? Welche Bedeutung haben Rituale und Symbole heute? Und wie lässt sich Tradition bewahren, ohne sie zum Selbstzweck werden zu lassen? Auf solche Fragen kann es angesichts der unterschiedlichen Formen der Freimaurerei nicht nur eine einzige Antwort geben.

Gemeinsam bleibt jedoch die freimaurerische Idee der Arbeit am rauen Stein – und damit der Anspruch, nicht nur die Welt und die Mitmenschen, sondern auch sich selbst und die eigenen Institutionen kritisch zu betrachten. Auch innerhalb des Projektes „Freie Maurer“ gibt es unterschiedliche Positionen. Unter uns und unseren Sympathisanten finden sich Menschen, die stark an Traditionen hängen, ebenso wie weitgehende Erneuerer – und viele Positionen dazwischen.

Die Vielfalt der vorhandenen Lösungen und Anforderungen stehen im Widerspruch zu der Praxis, Freimaurerei einheitlich zu gestalten. Aber: zwischen unterschiedlichen Vorstellungen lassen sich Brücken bauen, ohne dass jemand seinen eigenen Standpunkt aufgeben muss. Unterschiedliche Wege können nebeneinander bestehen, voneinander lernen und sich gegenseitig korrigieren.

Viele Probleme der heutigen Freimaurerei habe ich bereits 2025 im Buch „Freie Maurer“ anhand eigener Erfahrungen und zahlreicher Gespräche beschrieben. Die inzwischen erschienene Studie der Forschungsloge Quatuor Coronati „Die deutsche Freimaurerei – Strukturen und Befunde der Gegenwart“ liefert dazu eine umfangreiche empirische Grundlage und benennt weitere Herausforderungen.

Damit wird deutlich: Traditionalisten und Modernisierer beschäftigen sich vielfach mit denselben Problemen. Sie müssen deshalb nicht zwingend zu denselben Lösungen kommen. Entscheidend ist, dass Lösungen entstehen. Ob diese gemeinsam, nebeneinander oder auf unterschiedlichen Wegen umgesetzt werden, ist zweitrangig. Entscheidend ist, ob sie der Freimaurerei helfen, lebendig, glaubwürdig und zukunftsfähig zu bleiben.

Infokasten: Ergebnisse einer Umfrage

Die Forschungsloge „Quatuor Coronati“ führte im Auftrag der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland eine groß angelegte Befragung durch. Mehr als 2.000 Brüder beteiligten sich daran. Die umfangreiche Ausarbeitung umfasst insgesamt rund 1.200 Seiten. Der etwa 250 Seiten starke Einführungsband ist im Salier-Verlag unter der ISBN 978-3-96285-306-8 erschienen. Sechs Ergänzungsbände stehen Mitgliedern der Forschungsloge im internen Bereich zur Verfügung.

Wer sich ernsthaft mit der gegenwärtigen Situation, den Problemen und den Entwicklungsmöglichkeiten der deutschen Freimaurerei beschäftigen möchte, findet darin eine außerordentlich umfangreiche Grundlage.

Reformen beginnen in den Logen

Viele Veränderungen lassen sich am besten dort beginnen, wo Freimaurerei tatsächlich stattfindet: in den Logen. Hier sind Wege oft kurz. Ideen können ausprobiert, Erfahrungen gesammelt und Fehler korrigiert werden. Wenn Logen ihre Erfahrungen miteinander teilen – auch über organisatorische Grenzen hinweg –, entsteht daraus ein gemeinsamer Lernprozess.

Deshalb wollen wir unsere thematischen Webinare wieder aufnehmen und um zahlreiche neue Themen erweitern. Dabei soll es sowohl um praktische Fragen des Logenalltags als auch um schwierigere Konfliktthemen und grundsätzliche Zukunftsfragen gehen. Ergänzend entsteht auf dieser Website eine Diskussionsplattform. Sie soll Menschen aus unterschiedlichen freimaurerischen Richtungen ermöglichen, Erfahrungen auszutauschen, Positionen zu diskutieren und voneinander zu lernen.

Davon können „Bewahrer“ und „Veränderer“ gleichermaßen profitieren. Wer stärker an Traditionen festhält, kann entdecken, dass weitreichende Reformansätze nicht zwangsläufig eine Bedrohung darstellen. Sie können auch als Experimentierfeld dienen: Manche Ideen bewähren sich, andere nicht – und wieder andere finden später in veränderter Form ihren Weg in bestehende Logen. Umgekehrt müssen auch weitgehende Reformer immer wieder prüfen, welche Traditionen lediglich Gewohnheit geworden sind und welche tatsächlich etwas Wesentliches zur freimaurerischen Arbeit beitragen.

So entsteht kein Kampf zwischen Alt und Neu, sondern im besten Fall ein produktiver Austausch.

Mitdenken, mitreden, mitmachen

Was ist dafür notwendig? Vor allem Neugier. Freimaurer sollten bereit sein, auch Positionen anzuhören, die nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen. Niemand muss jede Reformforderung unterstützen. Aber jede ernsthafte Auseinandersetzung erweitert den Blick.

Wer diesen Austausch verfolgen oder daran teilnehmen möchte, kann sich für unseren Newsletter anmelden. Dort informieren wir über neue Webinare, Texte und Diskussionsthemen. Und natürlich freuen wir uns, wenn Mitglieder in ihren eigenen Logen auf diese ungewöhnliche Arbeits- und Diskussionsplattform hinweisen.

Infokasten: Wer sind die Freien Maurer?

Das „Projekt Freie Maurer“ entstand aus dem gleichnamigen Buch „Freie Maurer“, das im November 2025 erschienen ist. Trotz bislang begrenzter Öffentlichkeitsarbeit haben sich inzwischen rund 50 Interessierte zusammengefunden. Dazu gehören Mitglieder anerkannter und nicht anerkannter Obödienzen, ehemalige Freimaurer sowie einige „Suchende“. Darüber hinaus begegnen uns zahlreiche Freimaurer, die nicht allen Forderungen des Projektes folgen, aber viele seiner Gedanken und Reformansätze unterstützen. Genau darin liegt eine wesentliche Idee des Projektes: Man muss nicht in allem übereinstimmen, um miteinander an einer zeitgemäßen Freimaurerei arbeiten zu können. Nur der Kern zählt.

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