Das Videomeeting war von Beginn an ungewöhnlich konzentriert. Der Impulsvortrag wurde als Videoeinspieler vorbereitet – ruhig gesprochen, mit eingeblendeten Überschriften, barrierefreier Untertitelung. Kein rhetorischer Überschwang, keine Dramatisierung. Nur klare Thesen. Vielleicht war gerade diese Form der Grund, warum die anschließende Diskussion sofort Fahrt aufnahm.
Mehr als zehn Teilnehmer aus Männer- und Frauenlogen bestätigten die beschriebenen Entwicklungen aus eigener Erfahrung. Es ging nicht um Einzelfälle, sondern um Strukturen und das Gefühl, dass etwas nicht mehr stimmt – aber niemand spricht es so recht aus. Intensiv diskutiert wurde die Beobachtung, dass Logen nicht nur falsche Gäste anziehen – sondern die richtigen verlieren, denn anspruchsvolle Menschen spüren sehr schnell, ob eine Gemeinschaft Klarheit besitzt, ob sie weiß, wofür sie steht, ob sie Entwicklung will – oder nur Verwaltung betreibt. Das Kernfazit war: Wo Profil fehlt, entsteht Beliebigkeit. Wo Beliebigkeit entsteht, wird Anspruch als Störung empfunden. Und wo Anspruch stört, zieht er weiter. Diese Dynamik wurde im Gespräch bestätigt.
„Kreative Disruption“ – zurück zu den Wurzeln
Ein Teilnehmer brachte es auf einen Begriff, der hängen blieb: „Kreative Disruption“. Die Idee: Sich zunächst radikal vom Unwesentlichen zu trennen und zurück zu den Wurzeln zu gehen. Dann zu prüfen, was wirklich konstitutiv ist – und erst danach bewusst neu zu gestalten. Nicht zerstören, sondern klären. Nicht modernisieren um jeden Preis, sondern entkernen, um Substanz sichtbar zu machen.
Die Lösungsansätze – Bestandsaufnahme, Zielklärung, Profilbildung, Anforderungskatalog – wurden im Vortrag nur angerissen und auch nur kurz diskutiert. Das Interesse war so deutlich, dass eine Anschlussveranstaltung beschlossen wurde. Ein Termin steht bis jetzt nicht fest, wird aber zeitnah mitgeteil.
Wie unter Freimaurern beinahe üblich, verlagerte sich die Diskussion immer wieder auf das Ritual. Verständlich – es ist das prägende Unterscheidungsmerkmal. Der Hinweis, dass derzeit auf historischer Grundlage an einem modernen Ritual gearbeitet wird, stieß auf großes Interesse. Ein eigenes Webinar dazu wurde ausdrücklich gewünscht – und zugesagt. Auch dieser Termin wird demnächst eingeplant. Wer sich am Newsletter anmeldet, wird die notwendigen Informationen rechtzeitig bekommen.
Fazit des ersten Online-Meetings dieser Reihe: viele Erkenntnisse, Anregungen für alle und eine ausgezeichnete Diskussionskultur, wie sie unter Freimaurern üblich sein soll.
Der Termin des nächsten Onlinetreffens ist der 11. März 2026 um 19 Uhr zum Thema „Regularität: Ordnungsrahmen oder Denkverbot?“